Misanca

Misanca

Schon alleine das, was die Natur selbst uns zum Sammeln, Pflücken oder Jagen anbietet ohne die Mühe der Zucht und des Anbaus, wäre in Kroatien hinreichend für grenzenlose kulinarische Genüsse. Oft werden solche Speisen unterschätzt, denn die Zutaten wachsen im Überfluss auf den Wiesen, den Lichtungen und den Wäldern, und auf den Märkten erzielen sie keinen besonderen Preis. Die Misanca ist ein erstklassiges Beispiel dieser Art.

 

Es handelt sich um eine wild wachsende oder ausgewilderte Flora, die im Frühling oder Frühsommer erstmals besonders in den mediterranen Regionen Kroatiens auftritt. Manchmal besteht eine Misanca aus zwanzig oder mehr Pflanzensorten. Ihre Grundlage sind verschiedene Arten wilder oder ausgewilderter Zwiebeln, einige Kräuter, essbare Blumen und Gewürzpflanzen. Die Zubereitung der Misanca entspringt einer Sammlung kulinarischer Ideen und Fertigkeiten aus dem Volk. Zu Beginn der Saison, am Frühlingsanfang, kann man die Misanca frisch essen, gewürzt mit Essig und Olivenöl. Sie wird hervorragend, wenn man noch eine gesäuberte Salzsardine, Oliven, Kapern und hart gekochte Eier hinzu gibt. Später kann man die Misanca kurz aufkochen und mit verschiedenen Ergänzungen nochmals servieren. Diese können sich jetzt auch auf gekochtes Gemüse erstrecken: Kartoffeln, Saubohnen, Kichererbsen, Bohnen und Linsen. Fisch, der in einem Tongefäß auf einer Misanca angerichtet und im Ofen gebacken wird, gehört zu den Höhepunkten der Gastronomie, die junge Starköche in Kroatien immer mehr herausfordert.

 

Der Reichtum der Misanca an ursprünglichen mediterranen Aromen und die Kraft der ätherischen Öle in der wild wachsenden Flora eröffnen Möglichkeiten außergewöhnlicher kulinarischer Interpretationen: Omeletts und Palacinke mit Misanca, einheimisches Huhn übergossen mit Misancasoße, junges Lamm- oder Ziegenfleisch, das zusammen mit Misanca bei geringer Hitze gegart wird, getrocknetes Schaffleisch, oder ein Schinkenknochen, gekocht mit Kartoffeln und Misanca, Pogaca-Brot mit Oliven und Misanca…

 

Unter verschiedenen Namen kann man die Misanca in allen kroatischen Adriaregionen finden, aber auch auf den Zagreber Märkten. Je mehr Pflanzenarten zusammen kommen, um so besser ist die Misanca, aber das Gefühl für das Verhältnis der einzelnen Pflanzenarten zueinander, entsprechend dem Rezept selbst, zeichnet den überdurchschnittlichen Koch aus.

Davor Rostuhar / TZG Zagreb

Essen wie die Einheimischen, genießen wie ein Einheimischer

Jeden Tag kommt ein neuer Food-Trend auf. Doch es gibt Orte, wo seit Jahrhunderten organische, frische, lokal angebaute und saisongerechte Lebensmittel angeboten werden, nämlich die kroatischen Frischwarenmärkte.